Eine der schlimmsten Folgen der Einkindpolitik findet sich in der Schulpolitik wieder. In der Stadt hat man eben nur 1 Kind. Dieses Kind muss nicht nur eigenen Eltern, sondern auch die Eltern des zukünftigen Ehegatten versorgen. Wenn es schlecht läuft zusätzlich noch Grosseltern. Das funktioniert natürlich nur bei entsprechendem Gehalt.

Die Konkurrenz ist immens. Der Druck auch. China hat die weltweit höchste Selbstmordrate unter Jugendlichen.

Das System funktioniert so:
Die Abgänger mancher Universitäten sind erfolgreicher bei der Stellensuche - also wollen alle Studenten in genau diesen Unis studieren. Es gibt offzielle Listen, in denen man sehen kann, von welcher weiterführenden Schule die meisten Schüler auf diese Uni wechseln konnten. Und es gibt Listen, die aufzeigen, welche Mittelschule am erfolgreichsten Kinder in die besten weiterführenden Schulen brachten. Und welche Grundschulen die meisten Schüler.... und welche Kindergärten....

So beginnt das Leben dieser Kinder damit, daß die Grundschulen illegale Aufnahmeprüfungen abhalten. Die Termine werden von den Eltern unter der Hand gehandelt. Die Regierung hat diese Praxis verboten, es hilft leider nichts. Das Grundproblem liegt darin, daß die Schulen mit den besten Vermittlungsraten an die "besten" Schulen das meiste Geld bekommen. Hier schliesst sich der Kreis. Die Schulen liegen im Wettkampf miteinander, es geht um eine Menge Geld.

So erklären sich die heimlichen Aufnahmeprüfungen, Samstags- und Sonntagsunterricht, der Umstand, daß in den Ferien der Unterricht weitergeht, die endlosen Hausaufgaben, die Auswendiglernmarathons usw. Auch der Umstand, daß Mogeln bei Prüfungen mehr oder minder bewusst ignoriert wird. Wichtig sind die Erfolgszahlen am Ende des Jahres, die Statistik muss stimmen.

Am Ende stehen dann den Arbeitgebern Mitarbeiter zur Verfügung, die bis zur Erschöpfung arbeiten werden, auf Schlaf verzichten, sich aufopfern.... aber leider nie gelernt haben selbstständig zu denken, kreativ zu sein. Sie könnten und würden aber das BGB ausweniglernen. Nicht, daß diese jungen Menschen dumm wären, oder unfähig, auf keinen Fall! Nur sind sie für eine westliche Firmenpolitik recht ungeeignet.

Das wiederum ist den Familien weder bewusst noch erscheint dies wichtig. Wichtig ist nur, daß das Kind "es schafft". So legt die ganze Familie zusammen, um sich die Schulgebühren leisten zu können. Oder die Fahrten nach Peking zu den grossen Englischwettbewerben usw. Oder für Nachhilfelehrer. Ausserdem, man soll es nicht glauben, werden die Wochenenden benötigt, um die Ausbildung durch das Erlernen eines Musikinstrumentes, Singen und sportlichen Aktivitäten zu vervollkommnen. Meine Schüler sind 7 und 8 Jahre alt und müssen nun noch deutsch bzw. englisch lernen, dabei ist ihre Woche ohnehin schon bis zur Neige mit Schule gefüllt. Gespielt wird nicht mehr. Deshalb finde ich es auch legitim, wenn die Kleinen bis zum Eintritt in die Schule richtig verwöhnt werden.

Am Ende werden aber die meisten Bemühungen umsonst sein. Es gibt nicht genug Stellen in China. Viele werden arbeitslos sein. Oder Stellen mit lächerlichem Gehalt annehmen müssen. Oder sie versuchen sich in Peking oder Schanghai oder Chongqing in die Myraden anderer, nach Stellen suchenden Menschen einzureihen. Wie bei uns - allerdings ohne Krankenversicherung, gesetzlicher Mindestrente für die Eltern, Hartz IV oder sonstige Privilegien. Und ihre Eltern? Die haben dann Jahrzehnte "umsonst" geschuftet, weil ihre Altersversicherung ausfällt. Wie das dann aussieht kann ich jeden Tag auf der Strasse sehen, das sind dann die alten Leutchen, die in Säcken Plastikflaschen sammeln...

Deshalb kaufe ich mit bestem Gewissen "made in China".