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Yangtze-Kreuzfahrt / 长江 / Cháng Jiāng 2008-11
Wie der drittgrößte Fluss der Welt geschrieben wird, ist sehr variantenreich: Jangtse, Yangtse, Yangtze, Jangtsekiang? Im Chinesischen bedeutet Cháng Jiāng nichts weiter als "Langer Fluss". Ich bleibe bei Yangtze.
Chóngqìng
Wir haben uns für eine viertägige Kreuzfahrt von Chóngqìng (重慶) bis Yíchāng (宜昌市) flussabwärts mit der "President II" entschieden. Von Peking fliegen wir in die 32-Millionen-Einwohner-Stadt Chóngqìng. Sie liegt an der Einmündung des Jialing in den Yangtze. Der durch den 300 km entfernten Drei-Schluchten-Staudamm entstandene Stausee reicht bis Chongqing, so dass seit 2006 auch größere Schiffe die Stadt erreichen können.
Nachdem wir auf dem Schiff eingecheckt haben, vertreiben wir uns die Zeit auf dem Chao Tian Men Square und essen Nudeln in einer Seitenstraße in einer echten chinesischen Suppenküche zu Abend. Die tristen Häuserfassaden verwandeln sich am Abend in eine beleuchtete Silhouette und auf dem Platz herrscht buntes Treiben. Wir warten auf dem Freideck des Schiffes auf die Abfahrt, sehen den aufsteigenden leuchtenden Lampions zu und sind ziemlich überrascht, dass noch vor 22 Uhr die Prunkbeleuchtung abgeschaltet wird und rings herum alles dunkel wird. Es lohnt sich also nicht auf das Auslaufen des Schiffs zu warten, denn man sieht fast nichts mehr.
Auf dem Yangtze
Am Morgen werden wir mit Musik geweckt und wer Lust
hat, kann beim Tai Chi mitmachen. Auf dem Schiff sind noch vier weitere
Deutsche, ein paar Amerikaner und Franzosen und viele Chinesen. Am
Vormittag gibt es einen Vortrag über den Drei-Schluchten-Damm. Das
Wetter ist neblig-nieselig und verspricht auch nicht besser zu werden.
Fēngdū Als wir am Nachmittag nach 170 km die Geisterstadt Fēngdū (丰都县) besichtigen, klart es etwas auf. Dieser Landgang gehört zum Standardprogramm jeder Kreuzfahrt. Ich war der Meinung, dass es sich um eine durch die Umsiedlung menschenleere "Geisterstadt" handelt, das war ein Trugschluss. Der Begriff "Stadt der Geister" ist treffender, denn viele Chinesen denken, Fēngdū ist der Sitz des Königs der Unterwelt und so besichtigen wir viele Tempelanlagen mit teilweise blutrünstigen Darstellungen. Während die jahrhundertealte Stadt der Geister über 400 Stufen zu erreichen ist und als Insel erhalten blieb, ist die unterhalb liegende gleichnamige 50.000-Einwohner-Stadt bereits von den Fluten verschlungen worden. Am Abend lädt Kapitän Peng zur Welcome-Party. Jeder soll in Gala erscheinen, möglichst vorher den an Bord befindlichen Beauty- und Friseursalon besuchen. Nun ja, so schön wollen wir dann doch nicht sein.
Baidicheng - White Emperor City
Am nächsten Morgen besuchen wir die 2000 Jahre alte
Stadt Baidicheng - die Stadt des Weißen Kaisers. Sie bildet nun
mehr eine Insel im Yangtze, der im Dezember 2008 seine endgültige
Stauhöhe von 175 m erreicht haben wird. Dort beginnt die Einfahrt in die
erste der drei Schluchten.
Wir sind lediglich vier Leute, denn dieser Landgang war nicht im Reisepreis inbegriffen, außerdem haben wir Niesel-Nebel-Wetter. Wir besuchen den Baidi-Tempel, der leider rekonstruiert wird und Baustelle ist. Im Museum sehen wir einen der 2000 Jahre alte Särge aus der Nähe. Auf unserer Weiterfahrt sollen wir später in den Felsspalten diese "Hängenden Särge" wiederentdecken. Der Garten des Tempels beherbergte einen ganz besonderen Baum mit Zitrusfrüchten. Im unteren Teil hingen Pampelmusen, weiter oben Orangen und darüber Mandarinen. Das fand ich schon faszinierend, wie man platzsparend an einem Baum solch einen Früchtemix züchten kann. Alles in allem war dieser Landgang eine interessante Abwechslung, aber keinesfalls 260 RMB/Person (ca. 26 €) wert.
Qutang-Schlucht
瞿塘峡
/ Wuxia-Schlucht
巫峡Zurück auf dem Schiff geht es durch die 8 km lange Qutang-Schlucht. Das ist die kürzeste, engste und früher wildeste Schlucht. Ich bedauere hier das erste mal, diese Reise nicht 5 Jahre früher gemacht zu haben, wo man die steilen Felswände und hohen Berge noch in ihrer vollen Pracht bewundern konnte. An dieser ersten und dramatischsten Schlucht, die ca. 100 m breit ist, wurde der Wasserstand um 40 m angehoben.
Nach 20 Minuten ist die Qutang-Schlucht durchquert und eine reichliche Stunde später passieren wir die 45 km lange Wuxia-Schlucht, deren Wasserstand um 110 m angehoben wurde. Die Städte an den Ufern sind in den letzten Jahren neu entstanden. Insgesamt mussten 1,3 Millionen Menschen umgesiedelt werden, da 13 Städte, 14o Kleinstädte, 1352 Dörfer und 657 Fabriken in den Fluten versanken.
November 2008
Oktober 2001
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Shennong-Stream Am Nachmittag machen wir einen Bootsausflug auf dem Shennong-Strom, einem Seitenarm des Yangtze bei Badong. Hier lebt die Minderheit der Tujia. Die Wasserfläche gleicht einem Spiegel und links und rechts ziehen herrliche Landschaften vorbei. Auch hier gibt es mehrere kleine Schluchten und in der Longxia-Schlucht erfahren wir von der Tradition der Ba-Minderheit, die ihre Verstorbenen in "Hängenden Särgen", die aus Baumstämmen gefertigt wurden, an den Felswänden und in Felsspalten hoch oben über dem Fluss bestatteten. Bis heute ist nicht geklärt, wie die Särge dort hingebracht werden konnten. Wir steigen um auf kleine 8-Mann-Boote und die Ruderer der Boote demonstrieren, wie früher an den flachen unwegsamen Stellen des Flusses die Boote gezogen werden mussten.
Der Abend auf unserem Schiff verspricht schrecklich
zu werden. Es gibt eine Talente-Show und jede Nation soll mindestens
einen Beitrag leisten. Wir können uns erfolgreich drücken und so
wird der Abend doch noch ganz nett.
Drei-Schluchten-Staudamm Gegen 22 Uhr nähern wir uns dem Drei-Schluchten-Staudamm (Sanxia-Staudamm) und müssen auf die Einfahrt-Erlaubnis in die Fünf-Stufen-Schleuse warten. Die Ruhe ist fast unheimlich. Die beleuchtete 1.983 m breite Staumauer sieht aus wie ein Leuchtstreif, der sich im Wasser spiegelt.
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Uns wird lediglich noch
der alte Brauch demonstriert, da aufgrund des erhöhten Wasserpegels
der Fluss durchweg befahrbar ist.
So wurden früher die Boote durch das unwegsame Gelände des Shennon-Stroms gezogen.
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Einfahrt in die Fünf-Stufen-Schleuse
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Wir warten über eine Stunde, bis wir in die erste Schleusenkammer einfahren. In den nächsten 3,5 h werden wir in den 5 Kammern über 115 m Höhenunterschied überwinden. Es haben tatsächlich sechs Schiffe unserer Größe in jeder Schleusenkammer Platz. Das Wasser jeder Kammer wird zwischen der Parallelkammer der flussaufwärts führenden Schleuse hin und her gepumpt. Da ich bei dem Lärm sowieso nicht schlafen kann, schaue ich dem Spektakel bis nachts halb drei zu.
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Am nächsten Morgen besichtigen wir den Drei-Schluchten-Staudamm - das gewaltigste Bauwerk der Welt. Am Interessantesten ist der Modell-Raum, da man dort wirklich einen Überblick erhält. Wir erfahren, dass der Schiffslift für kleinere Schiffe noch im Bau ist. Mit einer Dauer von 3,5 h für die Schleusen-Durchfahrt hat das Passieren des Dammes für sehr viel Unmut gesorgt. Wir sehen uns noch auf dem Gelände um, danach geht es weiter durch die letzte der drei Schluchten. Xiling-Schlucht
/ 西陵峡 Die Xiling-Schlucht ist mit 76 km die längste Schlucht und beginnt ca. 31 km vor dem Staudamm mit einem sehr breiten Flussbett, die einem See ähnelt. Diesen Teil haben wir bei Nacht befahren und nichts mitbekommen. Jetzt durchfahren wir bei einem Pegelstand von 68 m den zweiten Teil dieser Schlucht, die bei Yichang -unserem Zielort der Reise- endet. Sie ist mit malerischen grünen Bergen gesäumt und man passiert mehrere kleinere Schluchten mit lustigen Namen wie "Schlucht des Schwerts", "Schlucht der Ochsenleber" oder "Leeres-Boot-Schlucht". Die Namen sind entweder auf Legenden oder die Form der Felsen zurückzuführen.
Yíchāng (宜昌市)
Dann gehen wir in eine Ausstellung, in der ein Wandbild von mehr als 100 m Länge das Flutungsgebiet des Yangtze darstellt. Mit einem roten Wollfaden ist der endgültige Wasserstand markiert und wir können auf dem Bild sehen, was der größte Stausee der Welt alles verschlungen hat. Das war unheimlich interessant, leider weiß ich nicht, wie die Ausstellung heißt. Der Fahrer will uns dann in das Stör-Museum bringen und satte 200 RMB in die eigene Tasche wirtschaften. Ich lehne dankend ab, denn die kleine Reiseführung durch die Stadt war im Preis inbegriffen. So werden wir ziemlich unwirsch am Bahnhof abgesetzt, wo der Fahrer nicht mal mehr hilft, die Koffer auszuladen. Nur nicht aufregen !!!! ... bei wem auch ... die kleine Reiseführerin verstand kaum englisch und musste bei jedem Wort überlegen. Wir geben unsere Koffer in der Gepäckaufbewahrung auf und schlendern noch durch die Stadt Yichang.
Zugfahrt Yichang - Guangzhou
Auf dem Bahnhof wird man immer wie ein Alien angeschaut, da kaum ein Ausländer mit dem Zug reist. Als ich unser Abteil suche, merke ich, dass wir Tickets für unterschiedliche Abteile haben. Ich bin das zweite mal sauer auf die lokale Reiseagentur. In China kann man maximal 3 Tage vor dem Reisetermin und auch nur in der Stadt, wo man abfährt, Tickets kaufen. Also musste ich das über eine lokale Reiseagentur veranlassen. Der vorzeitige Kauf der Tickets war der einzige Grund, warum wir nicht auf eigene Faust vom Schiff zum Bahnhof sind, sondern uns abholen lassen haben.
Die Bettwäsche ist verkeimt, die Betten heruntergewirtschaftet, aufgrund der fehlenden Klimaanlage schwimmt bald der Gang und die Toilette ist wie immer nach drei Stunden Zugfahrt eher zu meiden. Meine Mutter sieht das alles locker, wir essen unsere überdimensionierten Fünf-Minuten-Terrinen und kommen gut ausgeschlafen nach 17 Stunden im heißen Guangzhou an. Fazit: Die Yangtze-Fahrten waren vor einigen Jahren sicher beeindruckender als jetzt, aber die Landschaft ist immer noch schön. Vom typischen einfachen dörflichen Leben findet man nicht mehr allzu viel an den Ufern. Zwar wird nach wie vor auf den angelegten Terrassen Landwirtschaft betrieben, aber man findet wenige für Chinas Dorfleben typische alte Hütten. Noch einmal würde ich diese Fahrt nicht machen, da haben mich die Schifffahrten auf dem Li-Fluss (Guanxi-Provinz) oder auf dem Qiandao Lake (Zhejiang Provinz) oder Xin'an River (Anhui Provinz) mehr beeindruckt. Sicher war das schlechte Wetter auch nicht gerade stimmungsfördernd. Aber dafür kann ja keiner. Interessant ist natürlich die Ausmaße des Dreischluchten-Damms mit eigenen Augen gesehen zu haben.
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Für Lesefaule: Hier geht's gleich zum Photoalbum
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