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Peking / 北京 / Běijīng 2008-11
Was wäre der Chinabesuch meiner Mutter ohne eine Stippvisite in Peking. Ich hatte Peking bereits 1999 besucht, aber außer der Großen Mauer und dem Kaiserpalast standen keine Wiederholungen auf dem Programm. Außerdem hat sich in der Stadt viel verändert - vor allem auch wegen der zahlreichen Neubauten für die Olympischen Spiele. Geschichte der Stadt Běi(Nord)-jīng(Hauptstadt) hat im gesamten Verwaltungsgebiet ca. 15 Mill. Einwohner und liegt in mitten der Provinz Héběi. Die Stadt wurde unter dem Namen Ji (Schilf) 1000 v.Chr. das erste mal erwähnt und war hauptsächlich Handelszentrum mit den Mongolen und Koreanern. In den folgenden Dynastien wurde das heutige Peking mehrmals umbenannt, verlor einige male seinen Status als Hauptstadt, kam im 13. Jahrhundert als Ausgangspunkt der Seidenstraße zu großem Reichtum, was sich in prunkvollen Palästen und Tempelanlagen widerspiegelt. Während der Qing-Dynastie erreichte die Hauptstadt im 18. Jahrhundert ihre Blütezeit. Im Opiumkrieg drangen die Briten und Franzosen bis an die Mauern Pekings vor und brannten den Sommerpalast bis auf die Grundmauern nieder. Um 1900 stand Peking und ganz China kurz vor dem Zusammenbruch. Nach Gründung der Republik China (1912) blieb Peking nur bis 1928 politisches Zentrum der Macht, den dann richtete Chiang Kai-Shek mit Nanjing eine neue Hauptstadt ein. 1937 besetzten die Japaner die Stadt, die erst 1945 von den Kuomintang und den Amerikanern befreit. Noch vor der Flucht Chiang Kai-Sheks nach Taiwan wurde die Stadt 1949 von den Kommunisten eingenommen. Am 01.10.1949 wurde sie mit der Gründung der Volksrepublik China durch Mao wieder Hauptstadt. 1953 lebten im Stadtkern 2,8 Millionen Menschen, jetzt sind es 7,7 Mill. Menschen. Das Bevölkerungsswachtum der letzten Jahrzehnte ist vor allem auf Zuwanderer zurückzuführen, da die Geburtenrate niedrig ist. Ankunft Knapp 3 h dauert der Flug von Guangzhou in das 1.900 km entfernte Peking. Wir landen an dem im Februar 2008 eingeweihten Terminal 3, dessen Glas- und Stahlkonstruktion das größte Gebäude der Welt sein soll. Unser Hotel liegt in einer Seitenstraße im Dongcheng Distrikt. Wir kommen am späten Nachmittag an und fragen gleich im Hotel, wann denn heute auf dem Platz des Himmlischen Friedens die Flaggenzeremonie stattfindet. Sonnenuntergang ist 17.14 Uhr, jetzt ist es bereits 17.00 Uhr und wir können unser Vorhaben streichen. Wir unternehmen einen Spaziergang Richtung Verbotene Stadt und Tian'anmen-Platz als es bereits dunkel ist. Auf dem Weg dorthin werden wir von einem jungen Studentenpärchen angesprochen, die uns in netter Weise ausfragen, informieren und nunmehr auf Schritt und Tritt folgen. Anfangs sehr angenehm wird es nach und nach nervig und ich frage schließlich, ob es einen Hintergedanken gibt, weshalb sie uns so viel ihrer Zeit widmen. Nein, den gäbe es nicht, sie unterhalten sich nur gern mit Touristen, es wäre eine gute Gelegenheit ihr Englisch zu verbessern. Irgendwann möchte ich mich verabschieden, da wir essen gehen wollen. Natürlich haben sie da gleich eine tolle Empfehlung in der Nähe, wo sie uns gern hin führen. Dort angekommen bedanke ich mich und bemerke noch freundlich, dass sie sicher auch Hunger haben und nun heim oder irgendwo essen gehen. Endlich rücken sie mit dem "Hintergedanken" der netten Begleitung raus. Wir können sie ja einladen, wenn es uns nichts ausmacht, das Restaurant ist auch nicht so teuer und sie können uns auch bei der Auswahl der Speisen behilflich sein und und und... Jedenfalls bin ich nicht in der Lage NEIN zu sagen -warum auch immer- und so sitzen wir zu viert am Tisch, wo ich allein das Menü für alle bestelle, schließlich bin ich nicht das erste mal in einem chinesischen Restaurant. Nach dem Essen verabschieden sie sich dann doch recht schnell und ich bin etwas verärgert, wahrscheinlich am meisten über mich selbst. Wir schlendern über die Wangfujing-Street, eine Shopping-Zone zurück zu unserem Hotel und überlegen, ob wir morgen früh zum Sonnenaufgang die Flaggenzeremonie anschauen wollen. Die Chinesische Mauer / Zhōngguó (Wànlĭ) Chángchéng / 中国长城 Sonnenaufgang ist 6.43 Uhr. Empfehlungen unserer gestrigen Begleiter zufolge sollte man jedoch eine Stunde vorher da sein, um alles gut sehen zu können. 5 Uhr aufstehen? -Nein! ..und wieder verschieben wir unser Vorhaben. Für den heutigen Tag haben wir einen Fahrer engagiert, der uns 75 km nordwestwärts nach Badaling bringt. Ich wollte ursprünglich nach Mutianyu, wo die Mauer nicht so überlaufen und die Landschaft viel schöner ist. Das hatte aber meine chinesische Freundin, die im Reisebüro arbeitet und mir bei der Reiseorganisation geholfen hat, abgelehnt, da angeblich die Straße zu schlecht wäre. Mit 6.350 km ist die Chinesische (lange) Mauer (Zhōngguó Chángchéng 中国长城) das größte Bauwerk der Welt, welches 1987 von der UNESCO zum Welterbe erklärt wurde. Mit dem Bau der ersten mauerartigen Grenzwälle aus Lehm, Stroh und Reis wurde bereits 500 Jahre v.Chr. begonnen. Der erste chinesische Kaiser ließ ab 214 v.Chr. zum Schutz des Kaiserreiches vor Angriffen aus dem Norden weiter Mauerabschnitte errichten. In der Ming-Dynastie begann 1493 die letzte große Bauphase der sogenannten "Ming-Mauer" zum Schutz vor den Mongolen. Die große Mauer war nicht nur Verteidigungsanlage. Als Grenze diente sie auch der Distanzierung zwischen dem kulturell und technisch überlegenem China und den eher unterprivilegierten Nomadentümern. Die chinesische Kulturerbe-Behörde lässt seit 2007 die Mauer vermessen, das Projekt soll 2011 abgeschlossen sein.
Für 45 RMB Eintritt/Person dürfen wir nun entscheiden, ob wir nach links oder rechts laufen wollen.
Ehrlich gesagt, ist mir völlig gleich, ob ich rechts was verpasse, nur nicht in diesem Menschenstrom mit schwimmen: Wir gehen nach links!
Es stürmt und der Aufstieg ist streckenweise steil und ganz schön anstrengend. Ist schon bemerkenswert, was Millionen kleiner Chinesen so in Handarbeit in diesem unwegsamen Gelände errichtet haben. "One World One Dream" - der Slogan der Olympischen Spiel kommt mir in Anbetracht meiner Visa-Probleme im August und der meiner Gäste etwas befremdlich vor. Nach mehr als 2 Stunden haben wir eigentlich genug gesehen und treten mit unserem Fahrer die Rückfahrt an. Er sollte uns eigentlich zum Vogelnest fahren und anschließend zum Sommerpalast. Irgendwie missverstehen wir uns und landen gleich am Sommerpalast. Sommerpalast / Yíhéyuán / 頤和園 In dem bereits 1153 angelegten Park wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts der neue Sommerpalast errichtet. Die Gebäude des Palastes gelten als Meisterwerk chinesischer Architektur und der Park zu den faszinierendsten chinesischer Landschaftsgärten. Im 2. Opiumkrieg 1860 völlig zerstört, ließ ihn die Kaiserinwitwe Cixi 1885 neu aufbauen. 1900 zerstörten ihn die Engländer ein zweites mal und Cixi ließ in abermals aufbauen. 1908 - im Jahr ihres Todes- wurde der Palast geschlossen und erst 1924 zu unerschwinglichen Eintrittspreisen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Jetzt kostet der Eintritt lediglich 30 RMB.
Wir streifen die Halle des Wohlwollens und des langen Lebens, die Halle de Erheiterung und die Halle der Jadewellen. Man kann jedoch nur durch die Glasscheiben einen Blick ins Innere erhaschen, sofern man vor lauter Touristen an die Fenster kommt.
Der 728 m lange Wandelgang könnte man als Kunstgalerie bezeichnen, denn
ihn schmücken mehr als 8000 Bilder. Er sollte lediglich die Mutter des
Kaisers bei ihren Spaziergängen am Seeufer vor der Sonne schützen. Das
Tor der glänzenden Wolken unterbricht den langen Korridor und wir
beginnen der Aufstieg zur Pagode des buddhistischen Wohlgeruchs auf dem
Berg des langen Lebens.
Auf der Aussichtsplattform vor der Pagode sieht man erst einmal, wie groß die Palastanlage allein zwischen Pagode und Tor ist.
Wir schlendern weiter in Richtung Nordtor. Das Marmorboot gilt als Symbol dafür, dass Kaiserin Cixi für den Wiederaufbau des Sommerpalastes die Gelder der chinesischen Kriegsmarine verwendete.
Vogelnest / 鸟巢 Auf dem Heimweg statten wir noch dem Olympiapark einen Besuch ab. Mit 325 Mill. € ist das Olympia-Stadion die größte Stahlkonstruktion der Welt.
Die Sonne geht bereits unter und so warten wir noch die prachtvolle Beleuchtung in der Dunkelheit ab. Und das lohnt sich wirklich. Vor allem der Wasserwürfel -das Schwimmzentrum- gibt ein herrliches Bild ab.
Kaiserpalast / Gùgōng / 故宫
Für heute steht der Kaiserpalast - auch Verbotene Stadt genannt- auf dem Programm, den wir zu Fuß vom Hotel aus erreichen können. Wieder werden wir von einem netten Studenten angesprochen und diesmal bin ich etwas vorsichtiger, was hinter der netten Plauderei stecken könnte. Ich erfahre, dass er unter anderem Kalligraphie studiert und wir sollen ihm doch in sein nahegelegenes Studio begleiten, wo er uns seine Arbeiten zeigen will. Gut, das war also der Grund. Da wir aber keine teuren Kalligraphien kaufen wollen -denn auf etwas anderes läuft es sicher nicht hinaus-, lehne ich dankend aber bestimmt ab. Wir erreichen mit tausenden anderen Leuten die Verbotene Stadt -das Machtsymbol der Kaiser der Ming- und Qing-Dynastien durch das Tor des Himmlischen Friedens, über dem das Porträt Maos prunkt. An einem der Steinlöwen soll ein Einschuss vom Massaker 1989 zu sehen sein. Wir finden ihn nicht. Kaum zu glauben, das bereits nach 14 Jahren Bauzeit der Bau dieser Anlage 1420 abgeschlossen war. Dazu muss man wissen, dass zeitweise mehr als 1 Millionen Arbeiter und 100.000 Kunsthandwerker beschäftigt waren. In den folgenden 500 Jahren lebten und regierten hier
24 Kaiser. Der Palast soll 9999,5 Zimmer haben. Denn einer Sage zufolge
verfügte der Himmelspalast des Himmelskaisers über 10.000 Zimmer. Und
als dessen Sohn dürfe der irdische Kaiser diesen nicht übertreffen.
Harmonie war offensichtlich das höchste Gut bei der Machtausübung, wie die Namen der 3 Hauptgebäude verheißen. Die "Halle der Höchsten Harmonie", die "Halle der Vollkommenen Harmonie" und die "Halle der Erhaltung der Harmonie" gelten als Hauptorte zur Ausübung der kaiserlichen Macht. Mit 40 m Höhe ist die "Halle der höchsten Harmonie" das Zentrum der Macht mit dem goldenen Thron des Kaisers. Kein Gebäude der Stadt durfte höher als die Bauten des Kaiserpalastes sein. Selbst heute noch bildet der Kaiserpalast die zentrale Mitte des Stadtkerns auf dem Stadtplan. Man benötigt vier bis fünf Stunden, um sich einen Überblick zu verschaffen. Der Komplex ist 1000 m lang und 800 m breit. Im gesamten Palastgelände herrscht Rauchverbot, dafür gibt es aber 4-Sterne-Toiletten. Schon ziemlich fußlahm fahren wir mit dem Taxi zur nächsten Touristenattraktion - dem Himmelstempel. Himmelstempel / Tiāntán / 天壇
1420 erbaut diente der Himmelstempel den Opferzeremonien des Kaisers für eine gute Ernte. Der gesamte Anlage ist von einer wunderschönen Parkanlage umgeben und fast viermal so groß wie der Kaiserpalast. Die Halle der Ernteopfer besteht komplett aus Holz, nicht mal ein einziger Eisennagel wurde verwendet.
Die Halle des Himmelsgewölbes ist von einer kreisförmigen Echomauer umgeben, die wie ein Telefon funktionieren soll. In dieser Halle wurde die Gedenktafel des Himmelsgottes aufbewahrt. Diese wurde vom Kaiser zu jeder Wintersonnenwende auf den Himmelsaltar -eine schneeweiße dreistufige Steinterrasse- gebracht, wo der Kaiser den Himmel anbetete.
Im Park verweilen wir noch einen Moment und schauen einem Kniegeiger und einen jungen Frau, die einen Schwerttanz aufführt, zu. Wir verlassen die Tempelanlage über das Nordtor, denn wir wollen rechtzeitig zur Flaggenzeremonie auf den Platz des Himmlischen Friedens sein. Den Rikschafahrer lehne ich wegen seines unverschämten Fahrpreises von 80 RMB (ca. 8 €) ab, dafür kann man mit dem Taxi eine ganze Stadtrundfahrt unternehmen. Platz des Himmlischen Friedens / 天安門廣場 / Tiān'ānmén Guáng Chang Täglich zum Sonnenaufgang und Sonnenuntergang findet eine Flaggenzeremonie auf dem Platz des Himmlischen Friedens statt. Sonnenuntergang ist heute 17.11 Uhr und wir hätten noch genügend Zeit den mumifizierten Mao Zedong in seinem Mausoleum, was sich direkt am südlichen Ende des Platzes befindet, zu besuchen. Leider darf der Leichnam des "Großen Steuermannes" nur vormittags besichtigt werden und wir vertreiben uns die Zeit mit einem Spaziergang auf dem größten befestigten Platz der Welt.
Ein wenig bemitleide ich die jungen Burschen, die 2 m hinter der Absperrung mit dem Gesicht zu den Menschenmassen stehen und sich ohne eine Regung anstarren lassen müssen. Der Spuk ist dann ziemlich schnell vorbei, der Verkehr
rollt wieder und wir frieren und haben Hunger.
Wir schlendern an der Freiluft-Fressmeile der Wangfujing-Street vorbei und entscheiden uns dann doch für ein Restaurant in einer Hintergasse, da es mittlerweile ziemlich kalt ist. Das Highlight des Abends: Bratkartoffeln - mein Leibgericht! Was eher aus Versehen bestellt war, da das Bild in der Speisekarte recht ansprechend aussah, entpuppte sich als ebenbürtiger Pendant der sächsischen Bratkartoffeln - nur das Spiegelei fehlte.
Wir sind zufrieden mit dem, was wir in den 2 Tagen von Peking gesehen haben, wenn gleich es wirklich nur die Top-Touristenattraktionen waren. Für mehr war leider keine Zeit, morgen geht es nach Chongqing. Uebersicht: Ausflüge und Events Hier geht's zur Photoalbum der Reise |
Für Lesefaule: Hier geht's gleich zum Photoalbum
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