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Reisebericht
Guangxi-Provinz: Einleitung
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03. Mai 2008: - Die Reisterrassen von Longji (龙脊) und die Mitgift der Yao-Frauen (瑶族)
Wir muessen etwas frueher raus als sonst und Mulan ist
ueberpuenktlich, nachdem wir sie am
Ca. 100 km noerdlich von Guilin fahren wir Richtung Longsheng, wo sich die Reisterrassen von Longji (Drachenwirbel) befinden. Schon die reichlich zwei Stunden Fahrt durch Doerfer, Reisfelder und Orangenplantagen lassen keine lange Weile aufkommen. Mulan kauft am Strassenrand ein paar frisch geerntete Orangen, die man fast schon als "knackig-frisch" bezeichnen kann.
Ping'an liegt 400 Hoehenmeter ueber dem Tal und hat etwa 1.000 Einwohner, die zu 80% der Zhuang-Nationalitaet (壮族 - Zhuang Zu) angehoeren. Mit insgesamt mehr als 16 Millionen bilden sie die groesste der 56 Minderheiten in China. Sie waren es, die vor fast 700 Jahren begannen, die Reisterrassen zu erbauen, die sich ueber 66 km² erstrecken und deren hoechster Punkt 880 m hoch liegt. Wir kommen im Dorf an und im Hotel traue ich meinen
Augen nicht. Man betritt als erstes das gemuetliche ! Restaurant, dort
gibt es einen Tresen ueber dem Cognak-Schwenker, verschiedene
Cocktail, Rot- und Weissweinglaeser ect. haengen. Die Bar ist gut
sortiert, es gibt alle westlichen Schnapssorten und das Personal
spricht englisch! Das Hotel ist neu, die Zimmer haben Klimaanlage
und wir haben einen herrlichen Blick auf die Reisterassen. OK, kein
Sitzklo und die Toilette im Boden dient gleichzeitig als Abfluss fuer
die Dusche, die darueber so aus der Wand kommt. ABER: Wir dachten, wir
haetten nicht mal Strom hier oben. Naja, vielleich Nach einem koestlichen Mittagessen geht es auf die Reisterrassen. Die Frauen, die uns schon auf dem Weg hier her verfolgt haben, warten immer noch geduldig vor der Tuer. Das sind die Frauen der Yao-Nationalitaet (瑶族, Yáozú), die beruehmt fuer ihre langen Haare -oft laenger als die eigene Koerpergroesse- sind. Und das ist auch ihr Kapital, was sie vermarkten wollen. Wir sind etwas hilflos, da wir zum einen das Oeffnen
der Haare sehen und fotografieren wollen, aber nicht hier, sondern in
den Reisterrassen. Wir fragen Mulan, ob dort oben noch mehr Frauen
warten? Ja, natuerlich, kein Problem.
Wir marschieren los, immer fuenf Yao's im Schlepptau,
die staendig laechelnd gestikulieren, dass sie ihr Haar oeffnen wollen.
Noch im Dorf passiert etwas Eigenartiges. Der Yao-Frau vor mir wird von
einer modern gekleideten jungen Frau, die auf einer Treppe steht, der
Geldbeutel aus dem Tragekorb geklaut. Die junge Frau hebt ihn
hoch und wedelt damit herum, die Yao-Frau jammert und bettelt. Dann
wirft die junge Frau den Beutel einfach den Abhang hinunter und
geht. Erst viel spaeter begreifen wir, dass die Yao's nicht in dieses
Dorf der Zhuang's gehoeren und nur ungern geduldet werden. Der Aufstieg ist ueberhaupt nicht anstrengend und wir werden mit einem atemberaubenden Blick ueber die Terrassenfelder, einem Bier und einem frischgebruehtem Kaffee (30 RMB!!!) belohnt. Zu jeder Jahreszeit haben die Reisterrassen ihren Reiz. Wir sind im Fruehling hier und das Licht spiegelt sich in den mit Wasser voll gelaufenen Stufen. Einige Abschnitte sind noch gar nicht bewaessert, andere sind schon bepflanzt. Bewaessert werden die Felder mit Quellwasser aus den Bergen, was durch Bambusrohrleitungen von oben nach unten fliesst. Nach der Bewaesserung muss die Erde mehrmals geeggt
werden und wieder ruhen, erst dann werden die ca. 45 Tage alten
Reispflaenzchen in den Boden gesteckt, wo sie in den naechsten Monaten
die Terrassen erst in ein sattes Gruen und dann in ein warmes Gold
tauchen. Noch sind die Reisterrassen von Longji nicht als Weltnaturerbe
auf der Liste, aber die UNESCO hat bereits ein Auge darauf
geworfen.
Die drei reiferen Frauen haben nicht ein graues Haar. Sie verwenden zum Waschen der Haare eine gegorene Kraeuter-Fluessigkeit, die aus dem nahrhaften Wasser vom Reiswaschen gewonnen wird. In Verbindung mit dem klaren Wasser des Flusses, wo sie ihre Haare waschen, soll diese Kombination fuer glaenzendes, schwarzes Haar bis ins hohe Alter sorgen. Im 16. Lebensjahr wird den Yao-Maedchen einmal das Haar abgeschnitten, was von der Grossmutter aufbewahrt wird. Wenn das Maedchen heiratet ist dieser Zopf ein Teil der Mitgift. Als die Frauen ihre Haare oeffnen, halten sie auch einige abgetrennte Zoepfe in der Hand und ich dachte zu erst: Schmuh! Aber dieses Echthaar dient lediglich zur Fuelle des Turbans. Schaut Euch die Fotos an. Wir geben eine der Frauen das Geld fuer alle und es wird ihr sofort von einem Mann (wahrscheinlich ein Zhuang), der aus dem Nichts erscheint, weggenommen. Sie streiten sich lauthals bis Mulan das Geld an sich reisst und wir sofort gehen. Was war los? Der Mann, war der Meinung, dass die Yao-Frauen etwas vom Einkommen abgeben muessen, da sie auf "fremdem" Territorium Geld verdient haben.
Zwischenzeitlich hat Mulan das "gerettete" Geld uebergeben und
wir denken, dass die Frauen uns jetzt nicht mehr folgen. Weit gefehlt,
aber vielleicht wollen sie in ihr Dorf auf der anderen Seite der
Terrassen. Als wir
auf dem hoechsten Punkt stehenbleiben und unsere Fotoapparate
zuecken, packen sie den eigentlichen Grund ihres geduldigen Shoppingtime! ...in ganz privater Atmosphaere .... auf dem Gipfel der Reisterrassen ! Wem wird das schon geboten! Es nervt, aber das Mitleid siegt und jeder kauft ein paar Kleinigkeiten. Haben wir bisher die Machtkaempfe der Nationalitaeten untereinander beobachten koennen, duerfen wir jetzt dem streitsuechtigen Gezeter der Yao-Frauen untereinander beiwohnen. Und wieder verlassen sie uns nicht, sondern gehen den gesamten Weg wieder mit zurueck.
Den Abend verbringen wir im Restaurant unseres Hotels. Die Speisekarte ist in englisch, aber an der Wand haengt ein Schild nur auf chinesisch. Ich frage Mulan, welches Gericht denn so teuer ist? 黄豆山鼠 80 RMB-Sojabohnen mit Bambusratte (oder Bergratte) Da waren sie wieder, die Bambusratten, die wir bereits in Guilin vorm Restaurant gesehen haben. Die sich vegetarisch ernaehrenden Tierchen sind so teuer, da es nicht einfach ist, sie im Bambuswald oder auf den Wiesen zu fangen. Mulan wuerde besonders gut die knusprige Haut schmecken. Nach den lebenden Shrimps in Hangzhou ist dies das zweite Gericht, was ich definitiv niemals "wissentlich" essen werde. Da laesst sich die Sperre im Kopf nicht loesen. Abends im Bett bereitet mir der Gedanke, dass die Tierchen irgendwo unten in der Kueche, also mit mir unter einem Dach die Nacht verbringen, Unbehagen.
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