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Wailingding Island 04. - 06. April 2008
Ein verlaengertes freies Wochenende steht an, da der Grave-Sweeping-Day erstmals ein Feiertag in China ist. Das Wetter soll toll werden und ich frage Fanny -meine chinesische Freundin aus dem Reisebuero- ob sie nicht ein Ausflugsziel weiss. Sie weiss eins. Gerade mal 3,7 km² gross ist Wailingding Island - eine von 140 Inseln im suedchinesischen Meer, die administrativ zu Zhuhai gehoeren. Man findet nicht sehr viel im Internet darueber, aber es klingt wunderbar. Freitag vormittag geht es mit dem Auto Richtung Sueden nach Zhuhai. An den Friedhoefen entlang der Strasse sind die breiten Gruenstreifen zwischen den Fahrbahnen zu Parkplaetzen umfunktioniert und die Polizei regelt den Verkehr. Am Graeberkehrtag werden nicht nur die Graeber der Verstorbenen gesaeubert, sondern Papiergeld und Kracher entzuendet, drei Paar Essstaebchen und drei Becher Wein auf dem Grab platziert und "mit dem Verstorbenen" all das, was er besonders gern mochte, gegessen und getrunken. Am Nachmittag soll die Faehre vom Xiangzhou Port in
Zhuhai auf die kleine Insel gehen. Es gibt also noch einen anderen als
den uns bekannten Jiuzhou Port in Zhuhai. Vivian, die letztendlich den
Ausflug organisiert hat, stellte uns ein Schriftstueck in chinesisch
aus, mit Angaben wer wir sind, mit welcher Faehre wir von wo aus auf
welche Insel und in welches Hotel wollen. Ein bisschen komme ich mir vor
wie ein Ferienkind, was allein zu seiner Omi geschickt wird, aber der
Zettel ist goldwert. Wir rufen die vereinbarte Handynummer an, als wir
den Hafen erreichen. Dort gibt es nur chinesische Touristen und alles
ist nur in chinesisch angeschrieben. Wir sind die einzigen
Auslaender und die junge Frau vom Reisebuero in Zhuhai
kann uns leicht erkennen. Sie spricht kaum englisch, aber eigentlich
muss sie uns nur die Tickets uebergeben und einen weiteren Zettel
ausstellen mit der Handy-Nummer fuer die Rueckfahrscheine. 75 Minuten dauert die Ueberfahrt mit der High-Speed-Faehre und das braune Wasser des Pearlriver-Deltas wird blauer und blauer. Vorallem junge Chinesen, die einen Wochenendausflug machen, sind auf der Faehre. Bei der Ankunft wird unser Pass ausgiebig studiert, dann stehen viele junge Maedchen mit Schildern in chinesischer Schrift da, die auf ihre Touristen warten. Ich nehme meinen Ferienkind-Zettel demonstrativ in die Hand und wir werden sofort von dem Maedchen unseres Hotels begruesst. Der erste Eindruck im Hafen ist
vielversprechend und ich kann gar nicht glauben, dass diese Insel
auslaendischen Touristen unbekannt ist. Es geht bergauf an aermlichen Unterkuenften der Fischer vorbei. Wir erreichen unser Hotel und sind wirklich ueberrascht. Die kleinen Haeuschen mit den gelben Ziegeldaechern wirken wie ein kleines schwedisches Dorf. Nur der Swimmingpool vor der Rezeption hat noch keine Saison. Den versprochenen Seeblick gibt es nicht, aber wir
wollen nicht meckern. Fuer gerade mal 700 RMB gibt es zwei
Uebernachtungen und die Faehrtickets - eigentlich kein Preis fuer Auslaender.
Englisch spricht keiner, die Zimmer sind einfach aber absolut OK.
Das versprochene schoene Wetter laesst noch etwas auf sich warten, aber wir erkunden erstmal einen Teil der Insel. Um von unserem Berg ins "Zentrum" zu gelangen, muss man an den einfachen Fischerhaeuschen vorbei, die mich an die Armut auf den Phillipinen erinnern. Der Badestrand ist klein und in der Bucht schwimmt allerhand Unrat. Aber wir sind nicht zum Baden hergekommen und somit ist das erstmal nicht so wichtig. Die Felsen entlang der Kueste sind mit Wegen und Treppen begehbar gemacht und man kann schoene Spaziergaenge machen.
Wir bestellen lieber einen Berg unserer Lieblings-Shrimps und Fisch, da wissen wir wenigstens, wie man das isst. Am Abend setzen wir uns mit unserer mitgebrachten Flasche Rotwein auf einen der Felsen und geniessen den Blick aufs Meer. Auf dem Heimweg machen wir noch einen Abstecher in
eine Diskothek, in der auch Karaokeeinlagen zum Besten gegeben werden.
Ab dem dritten Schluck schmeckt auch der 96er Dynasty-Rotwein
ganz gut und es wird ein richtig ausgelassener Abend. Am naechsten Tag scheint wie versprochen die Sonne und es ist richtig heiss. Wir haben uns vorgenommen ueber den Berg auf die andere Seite der Insel zu wandern, wo es noch einen anderen Strand geben soll. Von oben hat man einen herrlichen Ausblick zum Hafen. Leider muessen wir auf halbem Weg umkehren, da die Strasse gebaut wird und wir an der Absperrung abgewiesen werden. Schade, aber nicht zu aendern. Also den Berg wieder runter und an der Suedseite der Insel entlang spaziert. Irgendwann kommen wir an der Muelldeponie der Insel vorbei (s. Fotogalerie). Der Muell wird zwar nicht direkt ins Meer gekippt, aber liegt nur ein paar Meter vom Wasser entfernt am Strand. An einem Tagebau kehren wir wieder um, die Strecke hat sich nicht wirklich gelohnt.
Mittlerweile haben wir zwei maennliche Langnasen entdeckt, die hier mit ihrer chinesischen Freundin das Wochenende verbringen. Abgesehen davon kann man die Insel als Insider-Tipp bezeichnen. Zum Ausspannen fuer ein verlaengertes Wochenende ideal, danach wird es wahrscheinlich zu langweilig. Am Samstag den 19. April 2008 fegt der von der Insel Hainan kommend, wo er 550 Haeuser zerstoert hat, uebers suedchinesische Meer, um in Yangjiang (Provinz Guangdong) aufs Festland zu treffen und 7000 ha Ackerflaeche ueberschwemmt. Drei Menschen sterben in Zhuhai und Shenzhen durch Schlammlawinen und einstuerzende Daecher. 40 Fischer, darunter 22 Vietnamesen werden vermisst. Starker Wind und heftige Regenfaelle kommen auch bei uns in Panyu noch an und der Fernsehempfang faellt aus. Ich frage mich, ob ein Taifun etwas von den kleinen Inseln wie Wailingding uebrig lassen wuerde, wenn er genau dort vorbei ziehen wuerde. Neoguri war der erste Taifun des Jahres, normalerweise kommt der erste Taifun Ende Juni. Hier geht's zur Fotogalerie "Wailingding Island" Zur Uebersicht 'Ausfluege und Events'
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Fuer Lesefaule: Hier gehts gleich zur Fotogalerie |
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