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Adventure-Trip durch die Sichuan-Provinz 13. Okt. - 23. Okt. 2007
Meine Kollegin hatte die 12taegige Urlaubsreise organisiert. Ich schloss mich der kleinen chinesichen Reisegruppe an und war maechtig gespannt, wieder etwas Neues von China kennenzulernen.
Mit dem Flieger geht es frueh morgens von Guangzhou in das 1.400 km entfernte Chengdu, der Hauptstadt der Sichuan-Provinz. Dort angekommen stehen sich im Touristenbuero neun schnatternde chinesische Touristen von unserer Gruppe und zwei Angestellte des Touristenbueros gegenueber. Offensichtlich gibt es ein paar Unstimmigkeiten. Ich geh erstmal zur Toilette und werde das erste mal mit "ohne Tueren" konfrontiert. Nicht, dass die Tueren aus den Angeln gerissen sind, nein hier gab es nie welche. Ich war schon etwas entsetzt, als mich eine qualmende hockende Gestalt anstierte und ich auf die hier ueblichen "Beduerfnisanstalten", deren Steigerungs-formen ich noch nicht ahne, eingestimmt werde.
Im Gelaende der
Sichuan-Universitaet ist unsere Unterkunft fuer eine Nacht. Da uns der Taxifahrer am
falschen Tor absetzt, kommen wir in den Genuss einer
Fahrrad-Rikscha-Fahrt. Fuer 3 Yuan (0,30 €) muss die Rikscha-Frau maechtig ins
Pedal treten. Die Unterkuenfte lassen von aussen ahnen, was einen innen erwartet. Wenn ich solche vergitterten, tristen grauen Haeuser in Guangzhou sehe, wo man in den Hauseingang nur in ein dunkles Loch schaut, stelle ich mir immer vor, wie es innen aussieht. Nun hatte ich Gelegenheit, Phantasie und Wirklichkeit miteinander zu vergleichen. Heruntergekommen, dreckig, einfach. Alle diskutieren mit der Wohnungsvermittlerin, es fehlt ein Zimmer. Und ich bin gern bereit weitere 50 Yuan (5 €) fuer ein seperates Zimmer zu zahlen, um nicht noch mein Bett teilen zu muessen. Sanitaerbereich und Kueche unseres 3-Zimmer-Appartments werden von allen genutzt. Ich inspiziere das Bad und weiss, dass ich hier nicht duschen werde und ich werde mir in der Kueche auch kein heisses Wasser machen fuer meinen mitgebrachten loeslichen Kaffee.
2. Tag (Fahrt im Reisebus von Chengdu-Jiuzhaigou)
Der erste Pinkelstopp fuer 5 Jiao wird zum
entwuerdigenden Gemeinschaftsereignis. U-foermig ist eine Rinne im Boden
des kleinen Raumes eingelassen, auf der acht Trennwaende in Bauchhoehe
ohne Tuer die Anzahl der Toiletten markieren. Die wartetenden Frauen aus
drei Touristenbussen glotzen ungeduldig und ich werde weggescheucht, als
ich an Ort und Stelle Hose und Guertel schliessen will. Das kann im
Mittelbereich erledigt werden.
Hier gibt mir wieder einmal die Doppelmoral der Chinesen Raetsel auf. Zum einen ist es normal, dass man vor einer Schlange glotzender Frauen auf der Damentoilette oeffentlich sein Geschaeft machen soll, zum anderen ziehen sich die Frauen im Schwimmbad in der Duschkabine der Damenumkleidekabine um, damit keine andere Frau sie sieht. Der Fahrer will eine Abkuerzung wagen, die im Nichts endet. Um wieder auf die richtige Strasse zurueck zukommen, faehrt er eine Boeschung runter. Der Bus sitzt auf .. die Verkleidung vom Bus reisst ab ... irgendeine Fluessigkeit laeuft aus .. Hektik .. und es geht im Eiltempo in die naechste Werkstatt. Die Strassen werden immer schlammiger und holpriger. Ich sitze ganz vorn im Bus und bin mir sicher, wenn ich nicht bei einem Busunglueck sterbe, dann vor Angst. Zwischen Wenchuan und Maoxian leben die Angehoerigen
der Qiang - eine der aeltesten Nationalitaeten Chinas, die
hauptsaechlich hier im autonomen Bezirk Aba zu Hause sind. Sie haben eine eigene Sprache,
jedoch keine Schrift.
Fuer ein paar Yuan kann man sich auf dem zottligen Yak-Rind fotografieren lassen. Ausserdem gibt es eine Vielzahl von frisch geroesteten Nuessen und duftenden Gewuerzen. Die weitere Fahrt gestaltet sich ruhig, da unser
junger Reisefuehrer kein Wort mehr sagt. Er ist beleidigt. Keiner will
heute abend zur
Folkloreveranstaltung in Songpan fuer 180 RMB, die ihm offensichtlich
Provision eingebracht haette. Von nun an hatten wir Muehe, den weiteren
Ablauf zu erfahren. Ueber Land und Leute erfahren wir nichts mehr.
Nach 10 h Busfahrt kommen wir in Jiuzhaigou an. Die Unterkunft ist soweit OK, wir gehen ein bisschen auf Touristen-Shopping, ich kaufe mir ein Chrysanthemen-Bier fuer den Abend und die Maedels Sauerstoffmasken aus Angst vor Hoehenunvertraeglichkeit. Im Hotel gibt es warmes Wasser von 21.00-22.00 Uhr, aber ich kann nicht duschen. Es ist alles verkeimt, seit ewigen Zeiten nicht gesaeubert und ueber der Dusche klafft ein metergrosses Loch in der Decke. Das Zwei-Bett-Zimmer kostet 86 RMB, da sind solche Schaeden inbegriffen. 6 Uhr aufstehen und es gibt tatsaechlich nur kaltes
Wasser. Es soll Fruehstueck geben. Ich ziehe mit meinem
Instantkaffepulver im Pappbecher los und suche heisses Wasser.
Fehlanzeige, es gibt nur Reisschleim und trockene Buns (Hefekloss).
Dabei dachte ich, die Chinesen
trinken immer und ueberall Tee.
Die Busfahrt fuehrt uns ueber einen 3800 m hohen Pass und es liegt Schnee. Wenn ich den ganzen Tag so friere wie die letzte Nacht, dann werde ich heute wahrscheinlich schlecht gelaunt sein. Der Bus wird nicht geheizt und ich ziehe mich richtig warm an. Als wir aussteigen, kommt auf einmal die Sonne raus und nach den ersten Metern im Jiuzhaigou-Valley weiss ich, dass ich entgegen meiner Befuerchtungen nicht zu wenig sondern zu viel angezogen habe. Das Naturschutzgebiet Jiuzhaigou ist das Tal der neun tibetischen Doerfer, welches seit 1992 zum UNESCO-Weltkulturerbe zaehlt und wohl neben den Pandas die beruehmteste Sehenswuerdigkeit der Provinz Sichuan ist.
Wir hatten extra die schoenste und bunteste Jahreszeit fuer unsere Reise ausgesucht. Das kaliumhaltige klare Wasser gibt den Seen eine zauberhafte Farbe und wir koennen trotz der Menschenmassen schoene Fotos von diesem Maerchenland aus Seen, Wasserfaellen und Bachlaeufen machen. Schaut Euch die Fotogalerie an, dann bekommt ihr einen Eindruck von diesem Naturspektakel. Der Eintritt kostet 220 RMB fuer 2 Tage und die Tageskarte fuer den Shuttlebus, den man fuer das 30 km lange Tal benoetigt, kostet 90 RMB/Tag. Der Abend in Jiuzhaigou ist richtig gemuetlich.
Als wir durch die Strassen bummeln,faellt der Strom aus. Es scheint oft vorzukommen,
denn sofort hat jeder Laden- und Restaurantbesitzer Kerzen zur Hand. Wir
besuchten ein Strassenrestaurant, da man die Hand vor Augen nicht mehr
sieht. Aber diese angenehme -fuer China
untypische- Atmosphaere bei Kerzenschein hielt nur 20 Minuten an, dann kam der Strom
wieder. 4. Tag (Huanglong-Der gelbe Drachen) Das Landschaftsgebiet Huanglong ist eine 8 km lange Schlucht unterhalb des Xuebaoding, des 5500 Meter hohen und ewig schneebedeckten Hauptgipfels des Minshan-Gebirges. In ca. 3.500 m Hoehe tauchen wir nach der Fahrt mit der Seilbahn mit tausenden anderen Touristen in einen tauenden Winterwald ein und erleben wieder ein beeindruckendes Naturerlebnis. Die gelben Kalkablagerungen winden sich durch die Schlucht hinauf wie ein Drachen und die terassenfoermigen Teiche aehneln den Schuppen des Drachen, deshalb der Name: Yellow Dragon. Fuer den 3,5 km langen Bergabstieg von 3.700 m Hoehe auf 3.100 m Hoehe bleiben uns lediglich 45 Minuten. Wir jagen von Fotoobjekt zu Fotoobjekt und schlaengeln uns an den Menschenmassen vorbei. Voellig fertig kommen wir das dritte mal zu spaet zum Bus. Wiederum werde ich beruhigt, dass eine gewisse Toleranzzeit zum guten (chinesischen) Ton gehoert. Der wutige Fahrer und der Reisefuehrer lassen mich etwas anderes glauben.
Wir bekommen Tee und Wein, getrocknetes Fleisch, Brot und andere Leckereien. Zwei der elf Geschwister der Familie (die juengste ist 16) geben uns ein kleines musikalisches Kulturprogramm, unter anderem singen sie eine Huldigung auf "Praesident Mao" und alle traellern froehlich mit. Genauso befremdlich. Im Reisepreis sind 150 RMB/Person fuer diesen Besuch
enthalten. 6000 RMB pro Bus - das lohnt sich fuer die Familie, deren
Kinder nie eine Schule besucht haben.
5. Tag (Rueckfahrt nach Chengdu) Um sechs Uhr aufstehen wie immer und ich habe den zweiten Tag Migraene. Aber wir haben einen Wasserkocher auf dem Zimmer und das bedeutet: Kaffee!
Die bevorstehende 10stuendige Busfahrt auf den
gleichen schlechten Strassen mit den gleichen miesen Toilettenstopps
empfand ich nunmehr schon als normal. Es ist mittlerweile 14 Uhr und
ausser meinem Fruehstueck (Kaffee+Kopfschmerztablette) hatte ich nichts
zu mir genommen. Ich habe Hunger und meine Begleiterin leidet noch mehr als
ich. Der Tourguide redet kein Wort mehr mit uns und beantwortet auch
keine Fragen mehr. Nun stehen wir im Stau nachdem wir halb 10 die letzte
entwuerdigende Pinkelpause und danach einen Reifenplatzer hatten. Ich
bin heilfroh, dass meine Blase ziemlich gelassen mit der
Zeitverzoegerung umgeht, so dass lediglich Hunger, Gliederschmerzen und
Muedigkeit die Stimmung etwas trueben. Nach 3 Uhr muss der Fahrer auf
massives Draengen der Fahrgaeste einen Pinkelstopp einlegen. 16.30 Uhr
gibt es Mittagessen und sogar heisses Wasser fuer einen Kaffee. Was will
man mehr. Zurueck in Chengdu wollen wir uns nach den Strapazen etwas goennen: Zuerst gehen wir in ein beliebtes Restaurant zum Hotpot-Essen. Ein zweigeteilter Pot (scharf / nichtscharf) auf einer Gasflamme und eine Riesenauswahl von Spiessen mit verschiedenen leckeren Sachen. Danach zur Kopfmassage beim Friseur und dann zur Massage. Die Masseuse ging pfleglich mit meinen Blasen an den Fuessen und meinem schlimmsten Muskelkater aller Zeiten in den Waden um.
6. Tag (Chengdu und mit dem Nachtzug nach Xichang) Die geplante 4taegige Tour zu "Four Girls Mountains" -der hoechste der vier Berge ist 6.200 m hoch- wird in Anbetracht der damit verbundenen Anstrengung und unserer derzeitigen Verfassung gestrichen. Ausserdem wuerde es aufgrund einer Strassensperrung ein Stueck den gleichen schlechten Weg wie nach Jiuzhaigou zurueck gehen, wozu keiner Lust hat. Ich fuege mich der Mehrheit. Hauptsache nicht so viel laufen, da ich derzeit kaum eine Treppe steigen kann aufgrund meines schlimmsten Muskelkaters aller Zeiten in den Waden. Kurz nach 8 brechen wir ins Reisebuero auf, um
die "Four-Girls-Mountain"-Tour zu stornieren und eine neue Tour zu planen.
Wiederum endlose Diskussionen, doch dann Freudenschreie. Alle sind
begeistert. Es geht nach Luguhu zu den Mosuo-Frauen, die nicht heiraten
und alle friedlich in Eintracht mit der Natur leben. OK. Ich lasse mir auf der Karte zeigen, wo es hingeht
und bin etwas erschrocken.
10 h Nachtzug ins 800 km suedlich gelegene Xichang,
anschliessend
9 h im
Kleinbus an die Grenze zur Yunnan-P Wir besuchen noch den Manjushri-Tempel in Chengdu, raeumen unsere Unterkunft und fahren am spaeten Nachmittag mit dem Taxi zum Bahnhof. Unsere Gruppe besteht jetzt nur noch aus sieben Leuten. Ich bin maechtig aufgeregt,
da ich in China noch nie mit dem Zug gefahren bin. Aus dem Internet
weiss ich, es gibt Hart- und Weichsitzer und Hart- und Weichschlaefer.
Ich halte meine Fahrkarte in der Hand - fuer 118 RMB (11,50 €) werde ich
800 km im Schlafwagen befoerdert. Ich bin auf alles gefasst und male mir
aus, wie ich zwischen ein paar spuckenden, schwitzenden Bauern mit
Koerben voller gackernder
Huehner sitze.
Menschenmassen vor dem Bahnhofsgebaeude, in das man nur mit gueltiger Fahrkarte und Security-Check wie am Flughafen hinein kommt, laermen und draengeln. In der Wartehalle gibt es keinen freien Platz. Die vielen Menschen und der Gedanke, dass alle waehrend der 10stuendigen Zugfahrt wenigstens einmal aufs Klo muessen und ich dann auch dorthin muss, verursachten Unbehagen. Dann geht es los. Wie am Flughafen gibt es fuer die
einzelnen Zuege Schleusen, die erst 20 Minuten vor Zugabfahrt geoeffnet
werden. Im Zug bin ich angenehm ueberrascht, ich sitze weder zwischen
gackernden Huehnern noch schnuddeligen Chinesen.
Ich klettere in die 3. Etage unseres Hartschlaefers und finde ein relativ bequemes Bett vor. Die Fahrkarte wird vom Schaffner einkassiert, in ein nummeriertes Etui gesteckt und ein Chip ausgehaendigt. Auf diese Weise hat der Schaffner einen Ueberblick, welches Bett er noch belegen kann und wann er jeden Fahrgast 30 min vor seinem Zielort wecken muss. Wir kommen halb 4 morgens in Xichang an und werden von einem Kleinbus abgeholt. Ich erfahre, dass es nicht gleich weiter nach Luguhu geht. Die Bergstrassen kann man nicht bei Dunkelheit befahren. In einem Zweibett-Zimmer warten wir sieben Leutchen den Anbruch des Tages ab. Nachdem mein Kaffee umgeschmissen wurde und keine Zeit fuer die Zubereitung eines neuen ist, geht um sieben die 9stuendige Fahrt ins 280 km entfernte Luguhu los. Das Verhaeltnis zwischen Zeitdauer und Entfernung lassen auf den Zustand der Strassen schliessen. Die Maedels quetschen sich zu viert auf die Rueckbank, der Kleinbus hat nur 6 Sitze. Das Gute: Es wird ein Individualtrip nur fuer unsere kleine Gruppe und jeder Pinkel- oder Fotostopp kann mit dem Fahrer ausgehandelt werden.
Das Mittagessen in Yanyuan ist das Leckerste seit Reiseantritt. Hier wird richtig frisch gekocht und es gibt keine Massenabfertigung. Die Fahrt geht durch Bergdoerfer, wir sehen Lehmhuetten, Reis- und Chillifelder. Ueberall werden Maiskolben getrocknet. Man kann sich ein Bild machen, wie einfach die Menschen auf dem Land leben. Ich bekomme ein schlechtes Gewissen, weil ich so mies gelaunt bin, nur weil ich muede und schmutzig bin, friere und auf schlechten Strassen fahre.
Wir sehen nicht einen einzigen Touristenbus und ich weiss, dass ist das wirkliche Landleben. Nach 9 h Autofahrt kommen wir an, es regnet und ich habe mir eine deftige Erkaeltung eingefangen. Die Unterkunft in einem familiaer gefuehrten Dreiseitenhof ist einfach, aber absolut OK. Es gibt heisses Wasser und es ist sauber. Heizung gibt es keine. So haben wir drinnen wie draussen 14 Grad. 8. Tag (am Luguhu bei den Mosuo ) Der Morgen beginnt mit einem tollen Fruehstueck. Es gibt Reisschleim, den ich mir mit reichlich Zucker versuesse, es gibt Buns (Hefekloesse), sogar ein gekochtes Ei, Pellkartoffeln und heisses Wasser fuer meinen Kaffee. Der Luguhu ("hu" heisst See) liegt 2.685 m ueber dem Meeresspiegel an der Grenze der Sichuan- zur Yunnan-Provinz und ist Heimat der Mosuo-Minderheit, die an diesem idyllischen Ort nach alten Sitten leben. In diesem "Frauenland" gibt es die freie Ehe und die Partner leben getrennt jeweils bei ihrer eigenen Mutter. Die Kinder gehoeren zur Frau, erfahren erst mit 12 Jahren, wer ihr leiblicher Vater ist und haben als maennliche Bezugsperson die Brueder der Mutter.
Wir finden eine stille, unberuehrt wirkende Landschaft
vor und die goldenen Pappeln und versunkenen Boote wirken wie im
Maerchen.
Der von Bergen umgebene Lugu-See und die offenen Boote wirken bei dem trueben regnerischem Wetter nicht sehr einladend. Da wir aber 20 h Anreise auf uns genommen haben, um einen einzigen Tag hier zu verbringen, machen wir die geplante sechsstuendige Bootsfahrt natuerlich auch bei Regen. Wir kommen mit den zwei Ruderern ins Gespraech. Aus dem Fernsehen wusste ich, dass die Mosuo-Frauen nicht heiraten und staendig wechselnde Partner haben (duerfen). Das scheint nicht generell der Fall zu sein. Die beiden Mosuo-Maenner sind verheiratet und haben beide zwei Kinder. Der Huebsche lebt aber nicht mit seiner Frau, die er als 14jaehrige geheiratet hat, zusammen. Als Minderheit fallen die Mosuos nicht unter die Ein-Kind-Politik des Staates und duerfen offiziell drei Kinder haben. Bekommen Paare weniger als drei Kinder, gibt es eine Praemie bis zu 10.000 RMB pro Kind. Von der Gemeindeverwaltung werden die Touristenfahrten auf alle Bootsfuehrer gerecht verteilt und sie erhalten einen festen Lohn, die Boote sind ihr Eigentum. Es gibt auch viele weibliche Bootsfuehrer, wie wir am anderen Ufer entdecken koennen. Das Wasser des Luguhu ist so sauber, dass man es beruhigt trinken kann. Es schmeckt leicht suesslich und ist sehr weich. Nach einem Zwischenstopp auf einer Insel haben wir eine Stunde Zeit am anderen Ufer. Hier beginnt bereits die Yunnan-Provinz. Zum Mittagessen sind wir wieder auf der Sichuan-Seite und es gibt wieder richtig leckeres Essen.
Wieder zurueck bei unserem Herbergsvater, leihen wir uns niegelnagelneue Fahrraeder aus, solche hab ich in ganz Guangzhou noch nicht zu sehen bekommen.
Obwohl es den ganzen Tag geregnet hat, war es ein wunderschoener, erlebnisreicher Tag, der genauso schoen weitergeht.
Danach gehen wir in eine gemuetliche "Kneipe", die wie ein Wohnzimmer wirkt. Der Tisch hat einen eingelassenen Holzkohlegrill und wir koennen uns aussuchen, was wir essen wollen. Hunger hat keiner, aber essen koennen Chinesen immer. Wir entscheiden uns fuer Froesche, Gemuese und Rindfleisch. Es ist das erstemal, dass ich der Toetung eines Frosches beiwohne. Ruckzuck ist der Bauch aufgeschlitzt, die Eingeweide raus, der Frosch zerhackt und auf dem Grill.
Wir kommen mit dem zweiten huebschen Mann des Tages,
dem Grillmeister ins Gespraech. Seine Frau war
9. Tag (Luguhu -Xichang-Chengdu) Nach dem gestrigen Regentag werden wir mit
Lautsprechermusik wie in der Jugendherberge geweckt und erwachen bei
strahlendem Sonnenschein. Aber wir muessen zurueck nach Xichang, um den
Nachtzug nach Chengdu zu erreichen. Unser Fahrer hat ein Erbarmen und
laesst uns wenigstens Zeit, diese Morgenidylle zu fotografieren.
In Yanyuan treffen wir die vierte ethnische Minderheit auf unserer Reise, die Yizu. Ab 40 tragen die Frauen solche schwarzen Kopfbedeckungen (und manchmal auch einen Gockelhahn).
Die Fahrt geht weiter durch die Berge Richtung Xichang und wir geraten in einen Stau. Eine Bruecke wurde gesperrt, da diese aufgrund des tiefen Schlamms nur einseitig befahrbar ist.
Auf der Weiterfahrt sehen wir wieder viele vereinzelte
Bauernhuetten, die kleinen Kinder spielen an gefaehrlichen Abhaengen und
die Toilettensituation verschaerft sich abermals. Nachdem wir auf einem
Armeestuetzpunkt Halt gemacht haben, wo die Maden aus dem Klo krochen,
kann ich die naechste Toilette an einer Tankstelle wirklich nicht
nutzen. Diesmal gibt es zwar eine Tuer vor dieser Einzeltoilette der
Groesse Dixi, aber der Gestank kehrt meinen Magen nach aussen. Es geht
nicht. Ich verkrieche mich unter den boesen Blicken der anderen hinter
einer Hecke. Meine Begleiterinnen wagen es nicht das Freiluftoertchen zu
nutzen und scheinen auf der Toilette fast zu ersticken.
Wir kommen puenktlich in Xichang an und haben noch 2 h Zeit bis der Nachtzug faehrt. Wir gehen an einen See, die Atmosphaere erinnert mich an deutsche Campingplaetze. Barbecue-Duft steigt in die Nase. Aber die Damen vom Grill bereiten alles aus gefrostetem Fisch zu, das isst kein Kantonese. Schade. Wir gehen in eine mittelmaessige Nudelkueche und dann zum Bahnhof. Etwas gelassener als auf der Herfahrt gehe ich die Rueckreise mit dem Zug nach Chengdu an. Im Zug ist mir unendlich heiss, da ich mich in anbetracht meiner Erkaeltung mit mehreren Kleiderschichten fuer die kalte Autofahrt praepariert hatte. Nun liege ich im 3. Stock des Hartschlaefers und weiss nicht so recht, wie und wo ich meine Hose unter der Hose loswerden soll. Auf dem Klo schwimmt es und im Bett kann ich kaum die Beine anwinkeln. Also schwitzen. Morgens halb sechs erreicht der Zug die 9Millionenstadt Chengdu und wir tauschen mit dem Schaffner unsere Plastikmarken gegen die Fahrkarten. Meine chinesische Begleitung wuerde ja am liebsten gleich in den Panda-Park. Ich will unbedingt erstmal in die Unterkunft, um mein Ladegeraet fuers Handy zu holen. Seit 3 Tagen ist mein Handy tot. In der Einoede ist das nicht so wichtig, da verliert man sich nicht so schnell, aber in der fremden Grossstadt bedeutet es fuer mich Sicherheit. Natuerlich bekommen wir um diese Uhrzeit noch nicht unsere Zimmer. Wir duerfen lediglich einen Vorraum von 3 belegten Appartements nutzen, um das Gepaeck abzustellen und uns frisch zu machen. Der freudigen Aufforderung, dass ich doch jetzt duschen koennte, komme ich nicht nach, da ich keine Lust habe vor 8 Leuten meinen unordentlichen Koffer auszubreiten und den Rest der frischen Waesche zu suchen. Alle gehen fruehstuecken, hurra! Ich bleibe da und hoffe auf ein paar einsame Momente, um wenigstens meine viel zu warme Kleidung loszuwerden.
Wir holen unser Gepaeck aus dem Uebergangs-Vorraum in unsere Zimmer und ich ziehe mit Olivia nochmal los. Wir probieren die beruehmte Reissuppe mit Gummireisbaellchen und einem Ei. Die Reiskoerner darin wurden vorher in Schnaps eingelegt. Olivia bittet die Bedienung, mir die Reiskoerner zu zeigen, die in Reisschnaps schwimmen und wir naschen von dem leckeren Zeug. Wir bummeln um das Uni-Gelaende herum und finden noch einige Strassenhaendler. Einer verkauft Streichholzschacheln mit besondern Aufdrucken. Da kann man die Diktatoren als Serie kaufen. Hitler, Stalin, Hussein, Mao. Olivia kommt kaum an einer Garkueche vorbei und wuerde am liebsten alles probieren. Nach Mitternacht geht es ins Bett. Halb fuenf stehen wir auf. Der fruehe Flieger war der billigste. Auf dem Flughafen trinke ich eine Kaffee und freu mich auf zu Hause und meinen Jens. Ich bin so voller Eindruecke, die ich jemandem mitteilen muss. Fazit: Am meisten hat mir gefallen, dass ich das urspruengliche Leben auf dem Lande, diese einfache Art zu leben, kennengelernt habe. Es ist ein riesengrosser Unterschied zum Stadtleben. Armut gibt es auch in Guangzhou, aber auf dem Land leben sie in Lehm- oder Holzhuetten unter den primitivsten Bedingungen. Die Kinder sind immer schmutzig und auch die Erwachsenen tragen immer dreckige Kleidung. Wie bei uns in Guangzhou gibt es keine Heizung, aber in den Bergen sind die Winter nicht so mild wie bei uns. Es war eine besondere Erfahrung mit einer Gruppe Chinesen zu reisen. Was ist fuer sie wichtig, was ist unwichtig, wo sind die Unterschiede? Das Wichtigste fuer sie ist gutes Essen. Vorrangig fuer mich ist ein ordentliches Zimmer, Sauberkeit und etwas Intimsphaere. Olivia ist die, die am europaeischsten denkt und sich auch manchmal in mich hinein versetzen konnte. Sie war immer um meine Laune bemueht, die meist dann am Tiefpunkt war, wenn kollektives Schlafen, Duschen, Pinkeln oder sonstige gemeinschaftliche Aktivitaeten, die ich lieber allein tue, angesagt waren. Gestoert hat mich wieder einmal die chinesische Art zu essen. Es wird mir nie gelingen, dieses hektische Geschaufel, das laute Geschmatze und das Sprechen mit vollem Mund zu tolerieren. Wir haben drei herrliche Flecken Erde kennengelernt und waren mit sieben verschiedenen Verkehrsmitteln unterwegs. China ist fuer mich wieder ein Stueck vielfaeltiger geworden, die Leute etwas vertrauter. Ob ich so einen Trip wiedermachen wuerde? JA. Ob sie mich wieder mitnehmen wuerden? Wahrscheinlich NEIN. Obwohl Olivia sagte, ich waere ein recht genuegsamer Auslaender. Hier geht's zur Fotogalerie "Adventure-Trip durch Sichuan"
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1. Tag: Guangzhou-Chengdu 2. Tag: Chengdu-Jiuzhaigou 3. Tag: Jiuzhaigou-Valley 4. Tag: Huanglong 5. Tag: Songpan-Chengdu 6. Tag: Chengdu-Xichang 7. Tag: Xichang-Luguhu) 8. Tag: Luguhu bei den Mosuo 9. Tag: Luguhu -Xichang 10. Tag: Chengdu 11. Tag: Chengdu-Guangzhou
Fuer Lesefaule: Hier gehts gleich zur Fotogalerie
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